2. Reinkulturen erzeugen für die Pilzzucht

Grundvoraussetzung für die Gewinnung von Reinkulturen ist ein Reinraum bzw. eine keimfreie Umgebung sowie keimfreie Werkzeuge.

Um das Pilzmyzel möglichst rein, das heißt ohne Verunreinigungen wie Schadpilze oder Bakterien zu isolieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Man kann einen Sporenabdruck gewinnen in dem man die vom Fruchtkörper abgegebenen Pilzsporen in einer keimfreien Umgebung auf eine sterile Unterlage oder Nährmedium absinken lässt.

Sporenabdrücke auf grobporigem sterilem Papier können richtig gelagert, mehrere Jahre keimfähig überdauern.

Eine andere Möglichkeit ist den Fruchtkörper des Pilzes durch Entnahme eines Myzelstückchens zu klonen.

Man erhält dann eine identische Kopie des Pilzes bzw. des Pilzstammes.

Die Klonung des Pilzstammes bietet viele Vorteile.

- man erhält eine identische Kopie der gewünschten Pilzart, z.B. um weitere Pilze zu züchten

- das Myzel hat schon einen hohen Reinheitsgrad

- der geringere Zeitaufwand durch Wegfall aufwendiger Selektierung des Pilzstammes.

Das entnommene Myzelstück wird auf ein steriles Nähr-Medium gesetzt, welches ein gesundes und schnelles Wachstum des Myzels ermöglicht. Eine ausgewogene Zusammensetzung des Nährmediums spielt eine sehr wichtige Rolle.

Man wählt dazu Inhaltsstoffe die Pilze sehr gut verwerten können.

Um ein besiedelbares und schneidfähiges Nährmedium zu schaffen, setzt man den in Wasser gelösten Bestandteilen wie Malzzucker oder Hefe noch Verdickungsmittel wie Agar Agar zu. Ein universell einsetzbarer Nährboden zum Pilze züchten ist Malzextrakt-Hefe Agar, hier ein gutes Rezept:

1000ml Wasser, 20g Agar Agar, 20g Malzzucker, 2g Hefe, 1g Pepton

Die Bestandteile werden in einer Flasche vermischt. Die Öffnung der Flasche wird mit einem Wattestopfen und zusätzlich mit einem Stück Alufolie als Abdeckung verschlossen und bei 121°C, mindestens 15 min. sterilisiert.

Nun füllt man das noch heiße Nährmedium ca. 5 mm hoch in die Petrischalen und lässt diese verschlossen im Reinraum abkühlen. Bei der Entnahme des Myzelstückchens ist darauf zu achten das dieses aus dem sterilen Inneren des Pilzes möglichst zwischen Stiel und Hutansatz entnommen wird. Dazu reißt man den Pilz vorsichtig vom Stiel her in 2 Hälften auseinander. Die Entnahme erfolgt mit einer Impfnadel die vorher mit einem Gas oder Spiritusbrenner besonders an der Impf-Spitze stark erhitzt wird um alle Keime abzutöten. Die Entnahme muss unter Reinraumbedingungen also in einer möglichst keimfreien Umgebung erfolgen. Die Größe des zu entnehmenden Myzelstückchens sollte bei 2-3 mm liegen. Das Myzelstück wird in die Mitte des Nährmediums gesetzt und die Petrischale wird zusätzlich mit Wachsband oder Frischhaltefolie versiegelt.

Die so vorbereiteten Reinkulturen werden in einem Inkubator bzw. Wärmeschrank gelagert bis die Nährmedien vom Pilzmyzel vollständig bewachsen sind. Das Klonen empfiehlt sich auch um eine gute und ertragreiche Pilzsorte zu vermehren bzw. zu erhalten, um weitere gleichartige Pilze züchten zu können.

Pilze selbst züchten